Andreas Gursky – Rhein II

Es gibt ein Poster von Andreas Gursky, das die Kunstwelt vor einigen Jahren durcheinander warf und vielerorts Beachtung fand: Rhein II. Es wird auch in diesem Bericht des br gleich zu Beginn gezeigt und besprochen. Gursky hat einen Abschnitt des Rheins fotografiert und anschließend am PC nachbearbeitet. (Nein, nein, das Bild über diesem Beitrag ist mein Foto, auch vom Rhein. Wegen Copyright und so, Sie verstehen.) Die Rheinische Post berichtete damals über die Entstehung des Bildes Rhein II, zeigt das Werk und zum Vergleich die Originalansicht.

Ich hätte Rhein II auch gern an meiner Wand hängen. Und der gigantische Kaufpreis ist für mich völlig akzeptabel, wow, da hat jemand seine Wertschätzung mal wirklich zum Ausdruck bringen können. Was für ein Glückspilz! Was macht dieses Bild von Andreas Gursky für mich nun so spektakulär?

Zunächst ist das Bild für mich verwirrend, irritierend, obwohl es auf den ersten Blick fast öde scheint. Dass das Foto manipuliert wurde, ist offensichtlich, es ist so menschenleer, ohne Häuser oder irgendwelche anderen üblichen Anzeichen einer menschliche Existenz. Doch, halt, stimmt nicht. Da ist dieser geteerte Weg entlang des Rheins. Damit ist klar, dass es sich nicht um das Abbild einer unberührten Natur handeln kann und soll.

Der Rhein ist für mich ein sehr ernst zu nehmendes Gewässer. Diese Wahrnehmung und Einschätzung erkenne ich an meinem Foto. Das Wasser ist für mich das entscheidende, es steht im Vordergrund. Mit Wasser kenne ich mich aus, da habe ich als Kind etwas begriffen: Wasser ist ernst zu nehmen. Lernen oder ertrinken.

Der Rhein hat mit seiner Strömung „richtig Wumm“. Gursky zeigt diese Wucht des Wassers, und das macht er wirklich raffiniert! Nicht durch einen Gegenstand auf dem Wasser, nein, viel subtiler. Gursky setzt der Kraft des Wassers eine ebenso starke andere Kraft entgegen: Er zeigt den Wind. Der Wind ist für den Betrachter nicht fühlbar, und wir hören ihn auch nicht. Der Wind zeigt sich nur, weil er GEGEN die Strömung weht und so dieses Kräuseln auf der Oberfläche bewirkt. Kein leichter, lauer Sommerwind, sondern wieder eine ernstzunehmende Kraft.

Das Bild ist völlig abstrakt und doch wiederum konkret. Für mich scheint Gursky die Essenz, das Wesentliche des Rheins zu erfassen. Indem er alles entfernt hat, was vom Fluss ablenken könnte, ist für mich das „Prinzip“ Rhein von ihm herausgearbeitet, seine „Natur“ hervorgehoben worden. In meiner Vorstellung ist der Rhein der INBEGRIFF des Flusses, es ist für mich DER Fluss der Flüsse. Erstaunlich, da ich an der Trave aufgewachsen bin. Es ist nicht die Mosel, nicht die Elbe, nicht die Donau, nur der Rhein. Vielleicht der Jangtsekiang von Deutschland? Warum, kann ich (noch?) nicht ganz erklären. Ich glaube, Gursky erzwingt den Blick auf das Elementare, auf die Elemente Erde, Wasser und Wind. Daher hat das Bild für mich so einen hohen Aussagewert.

Und jedes Mal, wenn ich es ansehe, sehe ich es wieder anders, es wird mir nicht langweilig.

 

 

 

 

 

 

Ein Gedanke zu „Andreas Gursky – Rhein II

  1. Vetch

    Ich finde er zeigt auch sehr klar, wie grässlich der Rhein begradigt wurde. Ich hab viele Jahre in Köln und Bonn gelebt und mal fast geweint, als ich ein altes Bild vom Rhein sah, aus dem 19. Jahrhundert. Wie wild, kurvenreich und schön er mal war, auch in NRW.

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