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Push Hands

Fixed Push Hands und inneres Storytelling im Taijiquan

Als Fixed Push Hands werden Partnerübungen im Taijiquan bezeichnet, deren Ablauf exakt vorgeschrieben ist.

Was versteht man unter Push Hands?

Push Hands bezeichnet die Partnerarbeit im Tai Chi Chuan. Dabei wird zwischen den Fixed Push Hands, halbfreien Push Hands und freiem Push Hands unterschieden.

Fixed Push Hands oder Fixed Patterns

Als Fixed Push Hands werden Partnerübungen im Taijiquan bezeichnet, deren Ablauf exakt vorgeschrieben ist. Es gibt viele solcher auch als „fixed patterns“ bezeichnete Übungen. Allen gemein ist, dass sich die beiden Partner mit Aktionist und Reaktion abwechseln, wobei der Ablauf lückenlos erfolgt. Es ist quasi eine unendliche Abfolge von Aktionen von A – B – A – B – A – B usw.

Die Übungen des Fixed Push Hands sind dazu da, bestimmte Aspekte des Taijiquan wiederholt zu üben. Dabei ist jeder der Übungen geeignet, unterschiedliche Schwerpunkte zu legen. Für ein gutes Übungsergebnis ist es darum aus meiner Sicht zwingend erforderlich, dass beide Partner vorab geklärt haben, was gerade geübt werden soll.

[Anmerkung: Leider wird diese für Übungszwecke notwendige Verständigung oft dahingehend fehlinterpretiert, dass Partnerübungen im Taijiquan nicht „funktionieren“. Doch das ist ein Thema für sich.]

Dem Partner ein Partner sein

Wichtig ist in den Push Hands den kooperativen Anteil zu entdecken. Es handelt sich nicht um einen Wettkampf oder Wettbewerb. Sinn und Zweck ist, dem Partner ein guter Partner zu sein. Dafür braucht es neben Präzision in den Bewegungen von allem Selbstdisziplin. Denn es übt nicht nur derjenige, der gerade „angegriffen“ wird. Beide haben ein ausgewogenes Trainingsprogramm und zwar in beiden „Rollen“. Einen „Schlag“ im Zeitlupentempo exakt gerade auszuführen ist mindestens so anspruchsvoll wie diesem mühelos zu begegnen.

In den Fixed Pattern sind daher die Bewegungsabläufe nicht einfach mal eben zu erlernen. Nachdem beim Laufen der Form in alle Richtungen Platz ist, fühlen sich viele im direkten Kontakt bedrängt oder eingeengt. Erste Versuche in Partnerübungen wirken daher anfangs eher wie „Schränkeschieben“. Gerade Anfängern fällt es schwer, sich in die Übung einzufinden. Fortgeschrittenen fällt es dagegen oft schwer, sich wirklich diszipliniert zu verhalten.

Es hilft nach meiner Erfahrung die Übung zunächst wieder und wieder und wieder in ihrem Ablauf wiederholen, auch wenn es dabei für die „Haltungsnoten“ Abzüge geben müsste. Es gilt zunächst die jeweiligen Richtungen zu verinnerlichen. Anschließend können Timing oder Präzision geübt werden.

Natürlich lullen einen die vielen, vielen Wiederholungen gerne irgendwann ein. Irgendwann mutiert der Ablauf zu einem üblen Geschunkel, der sich auf der selbst Wies’n sehen lassen könnte. Hier kommt die Selbstdisziplin ins Spiel. Der Trainingswert geht sonst gegen Null.

Es sei denn, sie wird zu einer Übung des Gleichmuts umgewidmet. Während einer solchen Übung des Gleichmuts kam mir dann einmal der Gedanke, dass Fixed Patterns sich hervorragend für Storytelling eignen.

Storytelling oder das Erzählen der eigenen inneren Geschichte

An diesem speziellen Tag hatte ich einen Trainingspartner, der zwar den Ablauf grundsätzlich beherrschte. Bedauerlicherweise führte er die Bewegungen aber immer nur korrekt aus, wenn ich als „Angreifer“ fungierte. Sobald er den „Angriff“ machte, bewegte sich zwar sein Körper, aber es war keine klare Intention darin. Ohne Angriff keine Verteidigung. Schnell wurde klar: so gibt das nichts.

Also bat ich ihn, doch bitte einen sauberen Angriff zu machen. Das lehnte er jedoch kategorisch ab. Zu meiner Überraschung auch noch mit dem Kommentar, er bleibe lieber ein Opfer. Na gut, dachte ich und übte mich in Gleichmut.

Der Ausdruck „Opfer“ erinnerte mich an einen Vortrag über Storytelling, den ich vor einigen Jahren hörte. Eigentlich ging es in dem Vortrag um Marketing, aber die Rednerin hatte so begeistert von Storytelling nicht nur berichtet, sondern es auch visuell umgesetzt, dass es sich in mein Gedächtnis eingebrannt hat. Im Gegensatz zum Namen der Frau, der mir leider entfallen ist.

Protagonisten des Storytelling: Held, Schurke, Opfer und Elixier

Wenn man Storys, also Geschichten, analysiert, dann gibt es darin 4 Prototypen von Protagonisten. Interessanterweise finden sich diese Gestalten zu allen Zeiten und in allen Kulturen. Es sind der Held, das Opfer, der Schurke und das Elixier. Wenn diese Rollen besetzt sind, steht einer guten Geschichte eigentlich nichts mehr im Wege.

Rollenwechsel im Taijiquan

Während ich nun gemütlich vor mich hin schunkelte und mein Gegenüber in seiner Opferrolle ließ, dachte ich also über die anderen Rollen nach. War ich nun zwangsweise ein Held, wenn er das Opfer sein wollte? Oder eher der Schurke, weil ich äußerlich weiterübte, aber innerlich ausgestiegen war? Vielleicht war ich aber auch ich das Opfer, weil mir die Möglichkeit des Übens genommen wurde!

Fasziniert von den vielfältigen Möglichkeiten, die sich mir eröffneten habe ich noch häufig im Innern mit Storytelling herum gespielt. Es gibt Trainingspartner, die es einem leicht machen, sich als Opfer zu fühlen. Andere reizen einen oder fordern geradezu heraus zum Schurken zu werden. Je nach innerer Haltung des Gegenübers kann aber gerade der hinterhältige Schurkenangriff (wie ein unerwartetes Verlangsamen der Bewegung) zum Elixier werden.

Das ist nun auch die eigentliche Erkenntnis: Es ist in jeder, wirklich jeder Konstellation möglich, innerlich jede der 4 Rollen einzunehmen. Nur auf die Einstellung, die eigene innere Haltung kommt es an. Die äußeren Umstände spielen keine Rolle. Je nachdem wie ich die Perspektive ändere, werden sich alle vier Möglichkeiten zeigen.

Probiert es selbst einmal aus, Storytelling funktioniert auch im Alltag und ohne Taijquan.

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