Die Mohnblüte zwischen den Steinen

Da war auf einmal diese winzige Mohnblume. Mitten im Pflaster.

Die Blume tat mir schrecklich leid: „So ein großer Garten“, dachte ich, „und ausgerechnet hier musst Du armes Ding nun wachsen?“ Die gesamte Anstrengung ist in diese eine kleine Blüte geflossen, für Blätter hat es schon nicht mehr gereicht. Karges Dasein, wahrlich kein leichtes Schicksal. Weiterlesen

Balance, die zweite – Gewackel

Die Gedanken, die ich dank der Genervtheit von Frau Förster notierte, haben weitere nach sich gezogen. Anhaltendes Nachdenken hilft, das wird heutzutage leider meist unterschätzt.

Seit ich mit dem Taijiquan (Tai Chi Chuan) angefangen habe, richte ich mich, also meinen Körper, an einer gedachten senkrechten inneren Linie aus. Diese Linie zentriert mich, ich richte mich auf, der Kopf ist in der Vorstellung „am Himmel“ aufgehängt. In dieser Position soll jede überflüssige Spannung der Muskeln losgelassen werden, um möglichst mühelos zu verweilen. So weit, so gut.

Bereits geraume Zeit störte ich mich beim Üben daran, dass ich zunehmend ein inneres „Gewackel“ feststellte. Weiterlesen

  1. Taijiquan kann ich allein ebenso üben wie zusammen mit anderen Menschen.
  2. Taijiquan erfordert keine spezielle Kleidung oder Ausrüstung.
  3. Taijiquan kann in Räumen ebenso wie in der Natur geübt werden.
  4. Taijiquan ist Meditation in Bewegung.
  5. Taijiquan fördert meine Gesundheit, körperlich, emotional, geistig und seelisch.
  6. Ich werde nicht zu alt dafür. Nie!
  7. Taijiquan ermöglicht mir Selbstverteidigung, körperlich, emotional, geistig und seelisch.
  8. Die Fähigkeiten im Taijiquan können immer weiter verbessert werden – in jedem Alter.
  9. Die Beschäftigung mit den Klassischen Schriften erweitern meinen geistigen Horizont.
  10. Ich erkenne mich selbst (naja, es wird schon…).

Genervt Ver#Querdenken!

Antwort auf Anja Försters Kolumne „Balance nervt!“ vom 1.9.2014 in der Zeitschrift Capital (http://www.capital.de/meinungen/balance-nervt.html)

Balance nervt – Capital 2014 Anja Förster (als pdf)

Frau Förster übernimmt in ihrer Kolumne die von ihr kritisierte vermeintliche Botschaft der Werbeindustrie: „Ja, Du kannst alles haben! Alles ist möglich! Du musst nur die richtige Balance finden.“ und kommt zu dem Schluss „Balance ist ein perfides psychologisches Spiel. Denn es gibt keine perfekte Lösung. […] Unter Umständen beinhaltet das „Ja“ […] gleich mehrere Neins. […] Und das bedeutet alles, nur keine Balance.“ Dabei benennt Frau Förster die derzeit üblichen Kriterien, die für „gelungene“ Lebenswege herangezogen werden, vorgebracht an Beispielen Prominenter: Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Kindern, Ehe und Familie sowie wirtschaftlicher Erfolg.

Hier beginnt für mich das eigentliche psychologische Spiel, das Frau Förster auch bereitwillig mitspielt. Weiterlesen

Leitbild

Um ein Land gut zu regieren
gibt es nicht Besseres als Zurückhaltung.
Was einen zurückhaltenden Menschen auszeichnet
ist die Freiheit von seinen eigenen Ideen.
Tolerant wie der Himmel
alles durchdringend wie das Sonnenlicht
standhaft wie ein Berg
biegsam wie ein Baum im Wind,
hat er kein Ziel vor Augen
und nutzt alles was ihm das Leben
über den Weg schickt.
Nichts ist unmöglich für ihn.
Weil er losgelassen hat
kann er für das Wohlergehen der Menschen sorgen
wie eine Mutter für ihr Kind.

Laotse, Tao Te King

 

Wieso denn Quanten beim Taijiquan?

Ich liebe das Wort „Quanten“ aus meiner norddeutschen Kindheit. „Nimm mal Deine Quanten da weg.“, hieß es, wenn die Füße im Weg waren.

Inzwischen sind die Quanten aus und die gleichnamige Physik in aller Munde. Ihr Verhalten passt zum Zeitgeist: Je nach Betrachtung zeigen sie sich als Materie oder Welle. Diese Quanten sind nicht so eindeutig wie die Füße, aber nicht minder spannend.

Einige Forscher meinen inzwischen, das, was die Chinesen vor ewigen Zeiten als Qi bezeichneten, sei möglicherweise dasselbe, was die Physiker heute als Quanten untersuchen. Warum nicht? Immerhin stimmt schon mal der Anfangsbuchstabe überein…

Wie dem auch sei: Für mich passen Quanten und Taijiquan hervorragend zusammen. Auf der rein körperlichen Ebene, denn Taijiquan hat viel mit den Füßen zu tun. Mit Stehen, Standpunkt, Schritten, auch Tritten. Und Schuhen… Aber auch unter dem Aspekt, dass der Betrachter das Ergebnis (Materie oder Welle) beeinflusst. Das gehört wieder in den Bereich, der mit Worten schwer zu erklären ist. Manches muss erlebt werden, um verstanden werden zu können.

Die Erfahrungen, die im Zusammenhang mit Taijiquan gemacht werden, können auf jeden Fall Quantensprünge bewirken im Hinblick auf das Verständnis vom Selbst, dem Leben und dem Wirken. Oder wie Cheng Man Ching von Wolfe Lowenthal in seinem Buch „Es gibt keine Geheimnisse“ zitiert wird:

Dies ist kein Spiel. Um was es uns hier wirklich geht, ist das Erforschen des Dao.“