Schlagwort-Archive: Gefühl

Taijiquan – Grenzerfahrung

Ein kurioses Erlebnis im Zusammenhang mit Taijiquan hatte ich eines morgens als ich die Loosenings  übte. Zu dieser Zeit gelang es mir regelmäßig eine Stunde eher aufzustehen und in aller Ruhe Taijiquan zu üben. Es war Winter, draußen noch dunkel, und ich stand in unserem Wohnzimmer, lauschte dem leisen Schnarchen meines Hundes und war meistens auch noch gar nicht ganz wach.

Das änderte sich an einem Tag schlagartig. Ich hatte die erste Loosening begonnen, stieg an der Mittellinie und drehte langsam zur rechten Seite – als es mich wie eine riesige Welle überrollte. Weiterlesen

„Einfach mal loslassen“ im Taijiquan

So sehr ich mich über die positive Resonanz zu meinem Beitrag Taijiquan – ein Geschenk des Himmels? gefreut habe – ganz glücklich bin ich damit nicht. „Unbedingt loslassen!“ hieß es da in den Kommentaren. Danke für die Anregung. Nur: Wie macht man das eigentlich?

„Manchmal muss man einfach mal loslassen“, heißt es. Das Wort „einfach“ im Zusammenhang mit „loslassen“ zu gebrauchen, empfinde ich schon fast als Zumutung.  Weiterlesen

Taijiquan – ein Geschenk des Himmels?

Ein Teil des Taijiquan ist nach meinen Beobachtungen, dass es Vielen irgendwann zum unentrinnbaren Drang wird, das Erlebte (mit-) zu teilen. Nur, dass das Erlebte so schwer mitteilbar ist. Wir erklärt man dem Blinden die Farbe? Das erscheint mir übrigens noch vergleichsweise einfach. Die gemachten Erfahrungen im Taijiquan sind zu bereichernd, zu schön und beglückend, als dass ich sie für mich behalten könnte. Nur, wie das Unerklärliche erklären? Weiterlesen

Bloggen, Taijiquan und die Zombies

Mit dem Schreiben von Blog-Artikeln anzufangen unterscheidet sich für mich nicht wesentlich vom ersten Taiji-Lernen. Ich habe [Taijiquan: hatte] bestenfalls eine grobe Ahnung, wozu es gut sein könnte. Andere Menschen tun es auch, das ist für sich allein noch kein Grund. Aber sie tun es mit großer Begeisterung und finden es irgendwie toll. Das finde ich wiederum spannend.

Also werde ich es wohl selbst auch tun müssen, um herauszufinden, ob es für mich taugt. Wenn nicht, lass ich es eben wieder sein… Das war gerade die Theorie. Nun zur Praxis, denn alle Theorie ist grau. Weiterlesen

Fixed Push Hands – Meins und Deins

Bei den „Fixed Push Hands“ handelt es sich um Partnerübungen im Taijiquan, bei denen der Ablauf der Bewegungen genau vorgeschrieben ist. Die Rolle des „Angreifers“ und des „Verteidigers“ wechselt ohne Unterbrechung zwischen den beiden Übenden hin und her.

Es ist Teil der Übung, durch Fühlen herauszufinden, wann der aktive und wann der passive Part beginnt und endet. Wann bin ich „Angreifer“, ab wann „Verteidiger“? Weiterlesen

Genervt Ver#Querdenken!

Antwort auf Anja Försters Kolumne „Balance nervt!“ vom 1.9.2014 in der Zeitschrift Capital (http://www.capital.de/meinungen/balance-nervt.html)

Balance nervt – Capital 2014 Anja Förster (als pdf)

Frau Förster übernimmt in ihrer Kolumne die von ihr kritisierte vermeintliche Botschaft der Werbeindustrie: „Ja, Du kannst alles haben! Alles ist möglich! Du musst nur die richtige Balance finden.“ und kommt zu dem Schluss „Balance ist ein perfides psychologisches Spiel. Denn es gibt keine perfekte Lösung. […] Unter Umständen beinhaltet das „Ja“ […] gleich mehrere Neins. […] Und das bedeutet alles, nur keine Balance.“ Dabei benennt Frau Förster die derzeit üblichen Kriterien, die für „gelungene“ Lebenswege herangezogen werden, vorgebracht an Beispielen Prominenter: Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Kindern, Ehe und Familie sowie wirtschaftlicher Erfolg.

Hier beginnt für mich das eigentliche psychologische Spiel, das Frau Förster auch bereitwillig mitspielt. Weiterlesen