Taijiquan und entspannter Sellerie

Obwohl es zumindest aus meiner Sicht naheliegend ist, sich neben Taijiquan auch mit Nahrungsmitteln zu beschäftigen, geht es dem Titel zum Trotz nicht um Sellerie. Weder als Staude noch als Knolle. Als ich die ersten Male bei Wee Kee Jins Workshops dabei war, bestanden meine Englischkenntnisse aus angestaubtem Schulenglisch ergänzt durch Fachtermini, die mein damaliger Beruf mit sich brachte. Weiterlesen

Taijiquan – Grenzerfahrung

Ein kurioses Erlebnis im Zusammenhang mit Taijiquan hatte ich eines morgens als ich die Loosenings  übte. Zu dieser Zeit gelang es mir regelmäßig eine Stunde eher aufzustehen und in aller Ruhe Taijiquan zu üben. Es war Winter, draußen noch dunkel, und ich stand in unserem Wohnzimmer, lauschte dem leisen Schnarchen meines Hundes und war meistens auch noch gar nicht ganz wach.

Das änderte sich an einem Tag schlagartig. Ich hatte die erste Loosening begonnen, stieg an der Mittellinie und drehte langsam zur rechten Seite – als es mich wie eine riesige Welle überrollte. Weiterlesen

Taijiquan – bitte ernst nehmen!

Ich gebe zu, dass ich den leisen Verdacht hege, dass gerade diejenigen, die andauernd kämpfen wollen, das Taijiquan vielleicht selbst noch nicht richtig ernst nehmen. Ständig suchen sie nach Beweisen, dass es auch „richtig funktioniert“. Da scheinen noch entsprechende eigene Erfahrungen zu fehlen. Wenn ich in den letzten Jahren eines gelernt habe, dann ist es, Taijiquan ernst zu nehmen. Sehr ernst sogar.

Verstanden habe ich den Kampfaspekt als ich zu einem der Workshops bei Wee Kee Jin war. Die dauern in Plankstetten eine ganze Woche und sind für mich schon herausfordernd, körperlich wie emotional. Die vielen Informationen (er unterrichtet Englisch), vielen Anweisungen Weiterlesen

Taijiquan – Kampfsport oder Kampfkunst?

Ist Taijiquan nun ein Kampfsport oder eine Kampfkunst? Und taugt es wirklich zum Kämpfen? Diese Frage ist Teil der Frage: „Was ist Taijiquan?“, die nicht nur mich wieder und wieder beschäftigt.

Martial Art, eine kämpferische Kunst. Der Begriff Kunst beschreibt, dass zum Ausüben einer Tätigkeit mehr gehört als Übung: Wissen, Weisheit, Kenntnis. Oh, ja, da stimme ich zu: Taijiquan will durchdrungen sein. Kunst kommt von Können. Wird Taijiquan als Bewegungskunst tituliert, findet das breite Akzeptanz. Weiterlesen

Taijiquan-Kekse

Diese Überschrift konnte ich mir gerade nicht verkneifen, nachdem ich in Facebook zum wiederholten Mal eine Diskussion verfolgt habe, in der es darum ging, was im Zusammenhang mit Taijiquan „geht“ oder „nicht geht“. Es kommt mir vor, als bräuchten wir ein Reinheitsgebot für Taijiquan, ähnlich wie beim Bier.

Doch kommen wir zum Wesentlichen, dem Rezept für Taijiquan-Kekse. Bisher hießen sie bei mir „Haferflockenkekse von Tante Jutta“, aber wie ich meine Tante einschätze, wird sie mir die Umbenennung nicht verübeln. Weiterlesen

3. Push Hands Treffen in Hassfurt – Vorfreude

Nun ist es bald wieder so weit und ich freue mich schon wie ein Stint auf das 3. Push Hands Treffen in Hassfurt. Als Roland von Loefen vor 2 Jahren dieses Treffen ins Leben rief, bin ich noch mit deutlich gemischten Gefühlen hingefahren. Ich hatte bis dahin keinerlei Erfahrungen mit Taiji-Praktizierenden aus anderen Stilrichtungen gemacht und fragte mich, was mich nun wohl erwartete. Da ich aber von den Workshops mit meinem Lehrer Wee Kee Jin bereits mit der Abfolge der drei Stand-Arten beim Pushen (V-Stand, Parallel-Stand, Bogenstand) vertraut war und miterlebt hatte, dass die Qualität der Push-Hands sich dadurch dramatisch verbesserte, war ich optimistisch die Tage in Hassfurt ohne Blessuren zu überstehen.

Das Ambiente ist einfach umwerfend! Veranstaltungsort ist die „Alte Mainmühle“, ein wunderschön restauriertes Gebäude, das direkt am Main liegt. Dort üben einige außerhalb der Trainingszeiten für sich allein. Manchmal auch mit schwimmenden Beobachtern. Weiterlesen

„Einfach mal loslassen“ im Taijiquan

So sehr ich mich über die positive Resonanz zu meinem Beitrag Taijiquan – ein Geschenk des Himmels? gefreut habe – ganz glücklich bin ich damit nicht. „Unbedingt loslassen!“ hieß es da in den Kommentaren. Danke für die Anregung. Nur: Wie macht man das eigentlich?

„Manchmal muss man einfach mal loslassen“, heißt es. Das Wort „einfach“ im Zusammenhang mit „loslassen“ zu gebrauchen, empfinde ich schon fast als Zumutung.  Weiterlesen

Taijiquan als geschützter Raum

Einer der für mich wertvollsten Aspekte des Taijiquan ist, dass ich im Training einen geschützten Raum, eine Umgebung finde, in der ich mich gefahrlos ausprobieren kann. Was soll das heißen? Nach meinem Eindruck sind nicht nur viele Sätze der chinesischen Klassiker zunächst nicht zu verstehen. In der Regel verstehen wir uns und unsere Handlungen auch ohne Taijiquan schon selten oder nie. „Wie konnte ich das nur tun?“, „Warum passiert mir das schon wieder?“ oder „Warum immer ich?“ Kennen wir doch alle.

Es bedarf daher konkreter Handlungen, um mehr über mich und meine Handlungsfähigkeit in Erfahrung zu bringen. Weiterlesen

Nutzen des Taijiquan – Intro

Offenbar meinen viele Menschen, mit einer Art Kurzformel den Wert des Taijiquan, den Nutzen auf den Punkt bringen zu können. Auf unglaublich vielen Internetseiten, die in Verbindung zum Taijiquan-Unterricht stehen, findet sich der Satz:

„Wer Tai Chi Chuan übt, wird beweglich wie ein Kind, kräftig wie ein Holzfäller und gelassen wie ein Weiser.“

Bewegliche Kinder haben wir alle schon einmal beobachtet, etwa das Baby, das genüsslich am großen Zeh nuckelt. Holzfäller, naja, derer kenne ich nicht so viele, eigentlich gar keine. Aber schwitzende Brautpaare, die gemeinsam durch einen Baumstamm sägen, habe ich auch schon öfter gesehen (und von ganzem Herzen bedauert). Bei den Weisen kommt mir am ehesten der Dalai Lama in den Sinn, den ich allerdings nicht persönlich kenne. Aber in den Medien erscheint er stets heiter und gelassen. Beweglichkeit, Kraft und Gelassenheit, das klingt alles super, nicht wahr? Weiterlesen

Taijiquan – ein Geschenk des Himmels?

Ein Teil des Taijiquan ist nach meinen Beobachtungen, dass es Vielen irgendwann zum unentrinnbaren Drang wird, das Erlebte (mit-) zu teilen. Nur, dass das Erlebte so schwer mitteilbar ist. Wir erklärt man dem Blinden die Farbe? Das erscheint mir übrigens noch vergleichsweise einfach. Die gemachten Erfahrungen im Taijiquan sind zu bereichernd, zu schön und beglückend, als dass ich sie für mich behalten könnte. Nur, wie das Unerklärliche erklären? Weiterlesen