Was ist Taijiquan?

Für mich rangiert diese Frage ungefähr auf der selben Stufe wie die Frage nach dem Sinn des Lebens.

Generell: Mit Taijiquan wird eine chinesische Kampfkunst bezeichnet.  Wikipedia  gibt einen guten ersten Überblick. Dort werden auch die unterschiedlichen Stilrichtungen genannt.

Ich selbst lerne und unterrichte den Stil von Huang Sheng Shyan (Master Huang), der wiederum ein Schüler des im Westen bekannteren Zheng Manqing (Cheng Man-ch’ing) war. Daher entspricht die von mir praktizierte Kurzform weitgehend der von Zheng Manqing aus dem Yang-Stil entwickelten.

Ist es wichtig, um welchen Stil des Taijiquan es sich handelt?

Ehrlich gesagt hatte ich selbst gar keine Ahnung, dass es mehrere Stilrichtungen gibt, als ich mit dem Taijiquan begonnen habe. Ich hätte auch gar keine Kriterien gewusst, nach denen ich mich für einen Stil hätte entscheiden sollen.

Was macht denn ein gutes Taijiquan aus? Welche Kriterien könnte es geben? Das sind gute Fragen, die ich aber nur für mich beantworten kann.

1. Bewegungen, Tempo

Wenn ich die unterschiedlichen Taijiquan-Stile betrachte, beispielsweise auf YouTube, ist für mich erkennbar, dass die Bewegungen unterschiedlich schnell ausgeführt werden. In einigen Stilen stehen die Personen auch deutlich tiefer als in anderen, bei einigen gibt es Sprünge, hohe Tritte etc.

Da ich mich als tendenziell eher unsportlich ansehe, kommt es mir entgegen, dass ich im Stil von Master Huang weder springen noch sonstige wilde Verrenkungen machen muss. Mich interessiert immer, ob ich die Bewegungen für mich als umsetzbar einschätze. Weiterhin war und ist mir wichtig, dass ich meine Knie, die sehr empfindlich sein können, nicht übermäßig belaste. Mit dem Parallelstand im Huang-System komme ich sehr gut klar.

2. Lehrer

Anmerkung:
Die folgenden Sätze gelten für Männer und Frauen in gleicher Weise. Die rein männliche Schreibweise ist der besseren Lesbarkeit geschuldet. Liebe Frauen, ich halte Euch für ebenso stark wie mich, und wir werden diese Schreibweise alle gemeinsam überleben.

Wichtiger als der praktizierte Stil erscheint mir, dass ich einen Lehrer finde, der harmonisch zu mir passt. Wenn ich den Menschen nicht leiden kann, wird es schwer werden, von ihm Unterweisungen anzunehmen (das kennen wir alle aus der Schulzeiten, nicht wahr?) Es bedarf einer starken zwischenmenschlichen Komponente, denn im Taijiquan kommt jeder früher oder später auch einmal an seine Grenzen.

Ein guter Lehrer erkennt die individuellen Möglichkeiten des Schülers und begleitet dessen Taiji-Prozess. Ein guter Schüler vertraut seinem Lehrer und dessen Erfahrung, ohne die eigene Verantwortung abzugeben oder unkritisch zu werden.

3. Klassische Schriften

Für mich gehören die klassischen Schriften des Taijiquan unabdingbar zum Verständnis und Training dazu. Unabhängig vom Stil ( Chen, Yang, Wu, Sun etc., die alle nach dem Familiennamen des Linienhalters benannt sind) gelten folgende klassische Schriften:

1. Taiji – Schrift des Begründers Chang San-Feng

2. Taiji – Schrift des Wang Ts`ung Yueh

3. Das Lied von den Dreizehn Stellungen

4. Das Verständnis der Dreizehn Stellungen

5. Das Lied vom Tuishóu

6. Die wichtigen Aspekte der Yang – Familie nach Yang Cheng-Fu

7. Das Lied von Substanz und Funktion

Das Taijiquan darf weiterhin nicht nur gepredigt werden. Die Prinzipien müssen praktisch erlebbar sein und angewendet werden.

Fortsetzung

Diese Liste von Kriterien werde ich nach und nach weiter ergänzen. Fragen dazu sind herzlich willkommen.

 

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